Ein mal eine Oldtimerrallye bei strahlendem Sonnenschein durch die Bergwelt der Alpen zu fahren, war schon immer unser Traum. Jetzt haben wir ihn uns erfüllt. Und um es vorweg zu nehmen; es wurden die schönsten 3 Tage unseres (Motorsport)Lebens. Aber der Reihe nach.

Die Bavaria Historic wird schon mal als die deutsche Mille Miglia bezeichnet.

Kein geringerer als der 2 fache Rallye-Weltmeister und ehemaliger Beifahrer von Walter Röhrl, Christian Geistdörfer, bezeichnete 2009 diese Oldtimerrallye als die beste in Deutschland. Für uns als bekennende Bayern(land) Fans war klar: die sollte es sein.

Schon nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Veranstalter, dem ADAC Südbayern in München, wurden wir rundum liebenswert betreut, und mit umfangreichem Informationsmaterial versorgt. Selbst die Original Fahrtstrecke, auf Kartendruck, mit allen Durchfahrts- und Zeitkontrollen, wurde uns vorab zugesendet. Sogar sämtliche Zeitnahmepunkte waren eingezeichnet.

Und damit wurde nicht gespart. 161 (!) Zeitprüfungen innerhalb von 23 Wertungsprüfungen und knapp 900 Km Gesamtstrecke erwarteten uns.

Als „Schmankerl“, wie der Bayer sagt, standen 7 Runden auf dem Salzburgring im Road-Book, gespickt mit 14 Zeitprüfungen.Der Auftakt zur Veranstaltung sah dann aber nicht sehr verheißungsvoll aus. Im Start- und Zielort, Bad Aibling bei Rosenheim, ging am Vorabend buchstäblich die Welt unter. Dauerstarkregen plus Unwetterwarnung ließen zwar die Flüsse steigen, aber die Laune sinken.Am  nächsten Morgen den Startort der ersten Etappe, Schoß Maxlrain, zu erreichen, glich dann auch eher einer Rafting- Tour.

Dort sollte gleichzeitig das größte Oldtimertreffen Süddeutschlands mit 3000 historischen Autos und 15000 Zuschauern stattfinden. Die Schlosswiesen, die als Parkplätze dienen sollten, waren nicht zu befahren. Der Veranstalter behielt aber die Übersicht und half sich mit Umleitungen und Shuttlebussen.

Nach der Dokumenten- und technischen- Abnahme (mit Startnummerklebeservice im eigenen Pavillon) stärkte uns ein Weißwurstfrühstück im „Drivers Corner“ Zelt.Es hörte endlich auf zu regnen und die erste Überquerung der Startrampe begleitet vom Radiosender „Antenne Bayern“, dem Bayerischen Fernsehen und tausenden Schaulustigen ließ uns ahnen, was da noch alles auf uns zukommen sollte. „Filzen Etappe“ nannte sich die erste, rund 100 Km lange Schleife durchs Voralpenland.Bei hoher Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Transportetappen und Schlag auf Schlag folgenden Sollzeitprüfungen (35 Stück), alle mit Lichtschranken, kam keine Langweile auf. Ziel, über Rampe, Vorstellung und schon weiter nach Kolbermoor in das historische Kesselhaus der alten Spinnerei zum Begrüßungsempfang.

Blasmusik und Sekt am Eingang, 3- Gang Menu in feierlichem Rahmen sowie alles was sich trinken lässt, wurde uns von äußerst freundlichen Menschen serviert.

  

Der nächste Morgen; die Sonne scheint !!!

Das Starterfeld von fast 150 hochkarätigen und meist leistungsstarken Oldtimern, macht sich auf die „Alpen Etappe“.420 Km, 81 Zeitprüfungen, Salzburgring, etliche Durchfahrtskontrollen in publikumsträchtigen Orten und die grandiose Bergwelt erwarteten uns.

Das Road-Book mit Chinesenzeichen und einer äußerst präzisen Kilometrierung ließen auch die kleinsten Strassen mit Leichtigkeit finden und genießen.

Einfach genial, was der Fahrtleiter uns da geboten hat. Kurve für Kurve, bergauf, bergab, durch kleine Dörfer, Schluchten und Täler. Schon nach wenigen Kilometern bekamen wir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Und obendrein die freundlichen, kompetenten und professionellen Posten an den Zeitnahmen und Kontrollen.

Höhepunkt des Tages war der Salzburgring; für uns ein Wiedersehen nach 25 Jahren. Nach 7 Runden wurde erst mal wieder im Fahrerlagerrestaurant Nahrung aufgenommen. Ein Buffet welches keine Wünsche übrig ließ.


23.Bavaria Historic

03. - 05.06.2010

Weiter dann über den Rathausplatz in Bad Reichenhall und den Stadtplatz in Traunstein, selbstverständlich mit Vorstellung der Fahrzeuge und Volksfestcharakter, am Chiemsee vorbei, zum Hotelgasthof „Ratzinger Höhe“ (ja, er war schon da) mit traumhaftem Ausblick.Zwischendurch immer wieder Wertungsprüfungen. Zum Beispiel: Start, 25min, 10sek, 20sek, 15sek, 30sek, 10sek, usw. Mal Lichtschranke, mal mit Schlauchmessung und immer unterschiedliche Entfernungen und somit Geschwindigkeiten. Für den Zieleinlauf wurde die Innenstadt von Bad Aibling gesperrt und nur die Teilnehmer durften auf den Marienplatz, um von 4500 Zuschauern mit Applaus empfangen zu werden.

Den Publikumsliebling bildeten wohl die beiden Polizisten des Polizeipräsidiums München, aus dessen Besitz der BMW 501, besser bekannt als „Isar 12“ aus der damaligen Fernsehserie stammt. Im eigens aufgebauten „Drivers Corner“ konnten die Erfahrungen des Tages bei einem Maxlrainer Bier ausgetauscht werden. Die Bevölkerung feierte dann eine Oldie Night mit der Kultband „Wirtschaftswunder“Die aus der Schweiz, Österreich, Italien, Bayern und Restdeutschland bestehenden Rallyeteams taten besser daran, bald ein bisschen Augenpflege zu begehen, denn am frühen nächsten Morgen ging es noch auf die „Kaiserreich Etappe“. Vorgewarnt durch die nette Teilnehmerbetreuerin, sollte es nochmals eine Steigerung geben.So war es denn auch.

Die Strecke noch schöner, das Wetter noch besser, die Berge noch höher, die Aussichten noch grandioser, die Schnitte noch schneller und die Prüfungen noch härter.

Spitzingsee, Hechtsee, Kiefersfelden, Kufstein sowie die berühmte ehemalige Bergrennstrecke von Bayerisch Zell zum Sudelfeld hinauf, mussten zusammen mit vielen Ausflüglern erreicht werden. Da wurde es manchmal knapp, bei den geforderten Zeiten. Und es kam richtiger Rallyeflair auf, denn Zeit gutmachen ging nur auf Nebenstrecken.

Eine italienische Lancia-Stratos Besatzung übertrieb es dann auch ein wenig. Eingangs eines Tunnels war nicht genug Platz für den breiten Boliden und den entgegenkommenden Abschleppwagen. Die Beule am Stratos war nicht die Rede-, aber das Palaver der zwei Triester hörens-wert.

Das er anschließend in einem kleinen Dorf in Österreich, durch eine Fehlzündung, einen nichts ahnenden, harmlos daher trottenden Hund beinahe „erschossen“ hat, ist ihm wahrscheinlich noch nicht einmal aufgefallen. Vom Veranstalter kam dann die erlösende SMS : „Karenz an ZK 16 um 5min verlängert.“ Das entspannte die Lage.Nach der Mittagspause am Hechtsee, wiederum mit Buffet, folgte am Nachmittag die Kaffeepause im Bergrestaurant „zum feurigen Tatzelwurm“, welches von der Lage und der Einrichtung kaum noch zu Toppen ist.Endspurt zum Ziel, nochmals 5 Zeitprüfungen und dann, an der Therme in Bad Aibling, ein erfrischendes Weißbier ins Auto gereicht, ein letztes Mal Vorstellung vor Publikum.

Es war geschafft. Meinetwegen hätte es noch tagelang so weitergehen können.

Im großen Saal des Kurhauses fand am Abend die Siegerehrung statt. Sektempfang am Eingang und für alle Damen ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Bavaria Historic 2010“ Wiederum 3- Gang Menu, Käsebuffet, Musik und Getränke bis zum Abwinken.Doch die Neugier wuchs. Wie haben wir denn nun abgeschnitten ?

Es gab zwar täglich Zwischenergebnisse und für jeden einen Ausdruck mit seinen gefahrenen Zeiten (!), doch der letzte Tag brachte die Entscheidung.

Mindestens eine Prüfung hatten wir „versemmelt“ und befürchteten den Untergang. Waren doch die meisten Teilnehmer schon viele Jahre dabei und dem entsprechend erfahren. Das Feld teilte sich in Classic (Sanduhrenklasse), Elektronic (alles erlaubt) und sportlich-leger (verkürzte Strecke) auf.Wir starteten mutig und gierig in „Classic“, welche mit 71 Startern die stärkste war.

Es wurde der 17. Platz für uns.

In der Epoche (Klasse) sogar der 10. von 31 und im Gesamtergebnis der 30. Platz von 115.

Einige der „alten Hasen“ gratulierten uns zu dieser Leistung beim ersten Mal.Glücklich und

zufrieden konnten wir dann noch das abschließende Feuerwerk im Kurpark mit ergreifender

Musik und Tränen in den Augen genießen. So viel haben wir erlebt und gesehen, dass es

eine Weile dauert, bis das alles verarbeitet ist.

Und in einem sind wir uns einig; nächstes Jahr sind wir wieder dabei, koste es was es wolle.

Dieter Grunenberg & Inge Göbbels