Hart, härter, Bayerwald Rallye;  so titelte die Fachpresse über die Vorjahresausgabe der sportlichsten aller Classic Fahrten. Kein geringerer als der 2malige Rallye Weltmeister Walter Röhrl, der auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft über diese Veranstaltung übernommen hat, schrieb in seinem Grußwort:

„Bereits schon traditionell trifft sich hier alljährlich die Elite des Gleichmäßigkeitssports. Unter der Federführung von Herbert Pongratz hat sich die Veranstaltung zu einem in Europa unübertroffenen Event etabliert. Nahezu 200 Lichtschranken in 1 ½  Tagen verlangen von den Teams höchste Konzentration.“

Was ? da wollt ihr fahren?, fragten uns viele im Vorfeld. Von mitleidigem Kopfschütteln über „mutig, mutig“, bis zum „toll, alle Achtung“ reichten die Kommentare.Zugegeben, ganz so sicher waren wir selber nicht, aber die Neugier siegte. Schon eine Woche vorher wurden die Sollzeiten im Internet veröffentlicht und wir machten uns einen „Schlachtplan“. Nur heil durchkommen war unser Ziel, über Platzierung keine Gedanken machen.

50 Teams aus 5 Nationen (Deutschland,Ungarn,Tschechien,Österreich und Schweiz) hatten genannt und starteten in der Stadtmitte von Bad Kötzting puplikumsträchtig auf dem St. Veitsplatz.

Von da ab gab es keine ruhige Minute mehr.

6 Gleichmäßigkeitsprüfungen und 14 Schnittkontrollen mit zusammen 78 Lichtschrankenmessungen sollten bis Mitternacht hinter uns liegen. Ein hervorragendes Abendessen im Hotel „Gutshof“ in Simpering/Hohenwarth und eine Zuschauerprüfung auf dem Marktplatz in Lam lockerten etwas auf. Die Strecke führte auf traumhaften Nebenstrassen durch den östlichen Bayerischen Wald und mit zunehmender Dunkelheit in die Tschechische Republik. An der Grenze verabschiedeten wir uns von Leitpfosten, Mittellinien und beleuchteten Orten. Menschen waren zunächst auch keine zu sehen. Aber bei dem schwül warmem Wetter um so mehr Fliegen, Wespen, Bremsen und Motten.

Die Stoppuhren glühten mit den Scheinwerfern um die Wette und nach einer endlosen bergab Serpentinenstrecke durch stockdunklen Wald plötzlich ein Menschenspalier links und rechts an einer Durchgangskontrolle. Da, waren sie also alle, die Einwohner dieser Gegend, und erhellten die schon fast gespenstische Dunkelheit mit den Blitzlichtern ihrer Fotoapparate. Nach einer weiteren Wertungsprüfung waren wir im Etappenziel. Puh ! das erste Stück heil überstanden. Am nächsten Morgen ging die Lichtschrankenorgie bei angenehmerem Wetter weiter. Durch den westlichen und südlichen Bayerwald, Kurve an Kurve, über Kuppen mit herrlichen Aussichten und durch dichte Wälder. 

Für die Einwohner schien an diesem Tag ein Fahrverbot zu bestehen, außer den Teilnehmern war kein anderes Auto zu sehen.

Die Mittagspause dann bei ST. Englmar (Heimat von Walter Röhrl) im Berggasthof Markbuchen in 900 Meter Höhe stärkte uns für die 3.Etappe.

Diese bestand nochmals aus 3 WP`s, einer Kaffeepause bei Joska Bleikristall und einer Zuschauerprüfung auf dem Marktplatz in Bodenmais.

Zum Schluss dann der Höhepunkt. Die WP 14 bestand aus einem ca. 400 Meter langen Rundkurs mitten in Bad Kötzting gespickt mit 3 Lichtschranken, der 4 mal zu umrunden war.

Beidseitige Gitterabsperrungen trennten die zahlreichen Zuschauer von den röhrenden Rallyeboliden. An der Ausfahrt dann der ersehnte Zielbogen mit einem Gläschen Sekt und fachkundiger Präsentation der Teilnehmer.

Das perfekte Roadbook hat uns fast 600 Km über die schönsten Strecken geführt die wir je gefahren sind. Wir hatten es geschafft und keine groben Fehler sind uns unterlaufen. Am Abend traf man sich dann in der festlich und liebevoll geschmückten Jahnhalle zum Abendbuffet, Benzingesprächen und der Siegerehrung.

So viel gab es mit unseren Tischnachbarn zu erzählen, dass wir nicht mal die inzwischen draußen aushängenden Ergebnisse beachteten. Aber wir hatten ja eh keine Chance gegen die „Profis“ mit ihren elektronischen Helferlein. Und auch in unserer „Sanduhrklasse“ rechneten wir uns nichts aus.Der Moderator Michael Hagemann zelebrierte die Siegerehrung in seiner bekannt lockeren Art, rief nach und nach die Platzierten auf, als er auf einmal die Stimme erhob und verkündete: „Nun kommen wir zum Klassensieger der Klasse S14, genannt vom AC –Eschweiler“…weiter kam er nicht, mein Jubelschrei unterbrach ihn.Zwei schöne handgefertigte Glastrophäen sind seitdem in unserem Besitz.

Die Sätze: Bange machen gilt nicht“, oder, „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ sind uns danach öfter durch den Kopf gegangen.

Den Abschluss bildete dann ein Weißwurstessen am Sonntagmorgen, bei dem wir uns beim Automobilsportclub Bad Kötzting für eine grandiose Veranstaltung bedanken konnten.

Sie hatten wahrlich großartiges geleistet, obwohl ihr Frontmann und Vater der „Bayerwald“ Herbert Pongratz, krankheitsbedingt ausgefallen war.Und wie sagte einer unserer Mitstreiter zutreffend:

„So ein Mist!  jetzt müssen wir wieder ein ganzes Jahr warten, bis wir hier wieder fahren können."


Inge Göbbels & Dieter Grunenberg


6. Auflage der Bayerwald Rallye Classic

05.-07.08.2011